Der Altar vom unbekannten Gott

Wort zur Besinnung, EJZ am 24.4.2021. Zum Sonntag Jubilate, 3. Sonntag nach Ostern

Ab dem 1. Januar 2023 wird der Kirchenkreis rund 25% weniger Geld zur Verfügung haben. Wie sich das genau auswirken wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber soll das schon groß anders aussehen als so: 25% PastorInnen weniger, 25% Gottesdienste weniger, 25% Kirchen weniger, 25% weniger Zuschüsse zu Jugendfreizeiten. Mal mehr und mal weniger.

Juckt Sie das? Macht Sie das traurig? Oder finden Sie das ganz okay?

Der Hauptgrund für die Kürzung ist die Demographie. Die starken Jahrgänge gehen jetzt in Rente und hören auf Kirchensteuer zu zahlen. Deren Beiträge werden also bitte fehlen. Aber das ist es nicht allein.

Kirche und Kirchenmitglieder sind einander fremd geworden in den letzten Jahrzehnten. Nicht die 10 Prozent, die sich nach wie vor in der Kirche engagieren. Die in den Chören und Gemeindegruppen. Diejenigen, die häufig in die Kirche gehen, oder die die als TeamerInnen mit auf Freizeiten fahren. Aber die anderen 90 Prozent. Und da bröckelt es an den Rändern. Lange schon. Und irgendwann reißt der Kontakt dann ganz ab.

Manchmal jetzt schon in der zweiten und dritten Generation. Dass sind dann die, die sogar schon vergessen haben, dass sie Gott vergessen haben. Oder wofür die Kirche überhaupt noch gut sein könnte. Nichts mehr, woran du anknüpfen oder worauf du aufbauen könntest. Einerseits klingt das schlimm. Doch vielleicht ist das ja auch die Chance.

Vor fast 2000 Jahren trat der Apostel Paulus auf den Marktplatz von Athen. Er hielt dort eine Rede mitten unter Menschen, die noch nie etwas von Jesus und dem Gott Israels gehört hatten. Er predigte dort von einem Gott, den sie nicht kannten und nach dem sie sich trotzdem sehnten. Dem man dort in Athen sogar vorsichtshalber einen Altar gebaut hatte: „Dem unbekannten Gott“. Paulus sprach von einer Hoffnung über den Tod hinaus. Von einem Leben, das mehr ist. Von einem Sinn, der dich aufrichtet.

Es haben ihm nicht alle geglaubt. Aber ein paar eben doch. Die wollten mehr hören. Das war ein Anfang.

Ab dem 1. Januar 2023 wird der Kirchenkreis rund 25% weniger Geld zur Verfügung haben. Das heißt, 75% sind dann noch da. Viel mehr, als Paulus damals hatte. Ich denke, es ist so: Wir haben jede Menge Geld. Wir brauchen nur mehr Paulus.

Jörg Prahler, Pastor aus Quickborn.

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