Ein kleines Licht am 3. Juli

Sorge nicht und warum viel Geld nichts bringt

Als mein Sohn noch ziemlich klein war, entdeckte er scheinbar die Faszination des Geldes. Er hatte eine kleine Börse mit ein paar Geldstücken. Immer wieder holte er sein Geld heraus, sah sich jede einzelne Münze an, packte sie wieder ein, holte sie wieder heraus. Sein Opa sah sich das an und wollte sich nicht lumpen lassen. Er öffnete sein Portemonnaie und gab unserem Jungen ein schönes, blankes Zwei-Euro-Stück. Der guckte sich das einen Augenblick interessiert an, dann gab er es an Opa zurück: „Brauche ich nicht. Hab ich schon!“

Für ihn war das logisch. Alle Erwachsenen machten große Augen.

Zwei Euro mehr sind besser als zwei Euro weniger. Und Geld kannst du eigentlich auch nie genug haben. So geht die Erwachsenenlogik. Deswegen kann ich mich bei dem Märchen „Hans im Glück“ auch so aufregen: Ein dummer Kerl, der sich ein ums andere Mal betrügen lässt und der letztlich seinen ganzen Reichtum verschenkt. Und als ihm am Ende auch noch sein Schleifstein ins Wasser fällt und er gar nichts mehr hat, da freut er sich noch und meint, er wäre ein Glückspilz.

Nein, ich kann rechnen und ich kann zählen. Deshalb freue ich mich, wenn die Summe auf meinem Bankkonto steigt. Wobei das ja eigentlich eine komische Sache ist. Geld auf dem Sparbuch ist doch nichts weiter als eine abstrakte Zahl. Und diese Zahl macht mich ja nicht reich.

Gut, das ist etwas anderes, wenn ich auf ein bestimmtes Ziel hinspare: Auf ein neues Sofa, das ich dringend brauche. Für einen Urlaub, den ich machen will. Dann werde ich mein Geld ja hergeben für etwas, was ich gut gebrauchen kann. Oder was mir Spaß macht.

Aber Geld sparen um des Sparens willen ergibt doch keinen Sinn. Geld, das ich nicht ausgeben möchte, ist mir doch nichts nütze. Gut, als Notgroschen und zur Sicherheit. Falls mal was kaputt geht oder für schlechte Zeiten. Aber sonst?

Viele Menschen haben keinen vernünftigen Umgang mit Geld. Denn an Geld kannst du nicht satt werden. Kein Mensch bestellt sich fünf Schnitzel in einem Restaurant. Eins ist genug. Bei einem Fresssack vielleicht zwei. Geld kannst du immer mehr ansammeln. Vor allem, wenn du keine Münzen oder Scheine mehr siehst, sondern nur noch Zahlen auf dem Konto. Und dann kann Geld süchtig machen und dich ins Unglück stürzen.

Uli Hoeneß zum Beispiel: Als Präsident vom FC Bayern München und als erfolgreicher Geschäftsmann war er schwer reich. Er konnte sich auch so schon so ziemlich jeden Wunsch erfüllen, den man sich mit Geld erfüllen konnte. Trotzdem kriegte er den Hals nicht voll und hinterzog Steuern in Millionenhöhe. Als das rauskam, war sein guter Ruf dahin und er musste sogar eine Gefängnisstrafe antreten. Warum ist der dieses Risiko eingegangen? Was hat ihn geritten? Er weiß es wahrscheinlich selber nicht.

Geld will mehr Geld und in gewissem Maße ist das auch noch verständlich. Wer jeden Cent umdrehen muss und wer am Ende des Monats nicht mehr weiß, wie er seine Rechnungen bezahlen kann, der hat schwere Sorgen. Das sind wirklich schwere Probleme, die einen Einzelnen oder eine Familie fertig machen können. In dem Fall machen ein paar hundert oder ein- oder zweitausend Euro mehr im Monat wirklich glücklicher. Aber das geht ja nicht immer so weiter.

Wissenschaftler haben herausgefunden: Was man in Deutschland in der oberen Mittelschicht verdient, das ist das Optimum. Wer mehr kriegt, wird deswegen nicht mehr glücklicher. Manchmal eher im Gegenteil. Zu viel Reichtum kann misstrauisch, unzufrieden und sogar einsam machen. Immer mehr, mehr, mehr führt zu nichts. Und die Gier nach mehr führt zu Ausbeutung und stürzt unseren Planeten ins Unglück. Das kann eigentlich keiner wollen.

Aber warum sagen wir dann nicht zu noch mehr Geld: „Brauche ich nicht. Hab ich schon!“? Weil wir nicht mehr so denken wie Kinder. Wir können zählen. Wir können rechnen. Wir haben eine Vorstellung davon, was wir uns von einem Batzen Geld schönes kaufen können.

Deshalb muss ich mir bewusst machen, was in meinem Leben wirklich wertvoll ist: Ein netter Abend mit den Freunden. Gute Gespräche. Mit einer Tasse Kaffee im Garten sitzen und die Vögel zwitschern hören. Die Füße in einen kühlen Bach halten. Keine Villa. Keine Yacht in Monte Carlo.

Und erkennen, dass mir mehr und mehr Geld nicht immer mehr und mehr Sicherheit gibt. Wir kommen auch ohne große Reichtümer aus. Sogar ohne kleine. Wir können Tag für Tag für Tag leben von dem, was jeder neue Tag bringt. Wie die Vögel unterm Himmel. Wie die Blumen auf dem Feld. Sorgen, Sorgen, Sorgen, die ich mit Geld ruhigstellen will, bringen mich jedenfalls nicht weiter.

Und wenn alle da gelassener wären und früher auch mal genug hätten, dann könnte unser Reichtum längst für alle reichen.

Das einhundertundachte kleine Licht.

Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler.

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend, außer am Wochenende von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

Meine Oma hat aber gar kein Internet”? Aber du! Es ist ausdrücklich erlaubt, diese Beiträge auszudrucken, zu verschicken, zu teilen oder zu verlinken. Gebt sie gerne an alle weiter, die sich darüber freuen und vor allem an die, die sonst keine Zugang dazu hätten.

Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

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