Worte zur Besinnung – Sonntag Okuli – EJZ am 07.03.2026
Pastor Michael Ketzenberg, Breselenz
Zerbrochene Herzen
Wer weiß, ob das hier noch aktuell ist, während Sie es lesen. Geschrieben habe ich es am Montag. Am Tag nach dem Wochenende, an dem plötzlich im Nahen Osten alles drunter und drüber ging. Die USA mischt sich ein. Israel mischt mit. Angriffe auf Teheran, die dazu führten, daß grausame Machthaber getötet wurden. Danach: Rückschlag – Gegenangriffe auf Israel. Ich höre das, sehe das, kann es kaum realisieren. Kann nicht einschätzen, welche Bedeutung und welche Folgen das alles haben kann. Auch für uns. Ich schüttel mich innerlich vor Sorge, vor Unverständnis. Was ist in unserer Welt nur los? Es zerbricht mir das Herz! Israel: Gebeutelt seit Tausenden von Jahren. Gelitten. Gedemütigt. Und genauso immer auch wieder mal schuldig geworden. Gottes Volk. Quelle des jüdischen Glaubens, des christlichen und auch des muslimischen. Warum muß das so sein? Warum das alles?
Hüten wir uns vor schnellen Verurteilungen. Denn: Seit Christus zählen wir Christen auch zu Gottes Volk. Und Christen werden genauso gebeutelt. Und sind genauso schuldig. Unsere Herzen können genauso zerbrechen. Und was uns auch verbindet: Wir können Klagen und Flehen. Und unser Klagen und Flehen gehen an denselben Adressaten. Morgen beten wir in unseren Gottesdiensten den 34. Psalm. Psalmen sind immer in Worte gefasste Lebens- und Glaubenserfahrungen und Sehnsüchte. Der Psalm 34 ist im ersten Teil durchströmt mit Worten des erfahrenen Vertrauens („Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.“). Und im zweiten Teil klingen Worte der Ermahnung zum Frieden an („Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“). Schließlich im dritten Teil finden sich Worte der Hoffnung, daß es besser wird („Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“).
Urteilen bringt nicht weiter. Besserwissen auch nicht. Manchmal hilft eben nur beten (und was heißt hier schon „nur“?) – und das gerne mit den Worten von Menschen, die immer wieder selber gebeutelt wurden und auch selber schuldig wurden, Menschen, die zerbrochenen Herzens waren. Und das alles in der Passionszeit mit dem Christus vor Augen, der für und mit allen Menschen gelitten hat und immer noch mit leidet, und dessen Herz auch zerbrochen wurde. Damit wir frei werden können.
